Märchen, Erzählungen, Romane, Reiseberichte werden schon seit Jahrhunderten geschrieben. Damals gab es noch keine Computer, keine Schreibmaschinen und auch keine Füller, wie wir sie in der Schule benutzen. Den ersten modernen Füllfederhalter erfand übrigens 1883 der Versicherungsagent Lewis Edson Waterman in New York. Als Jzef Ignacy Kraszewski 1887 starb, hinterließ er etwa 240 Romane und Erzählungen. Ob er jemals einen Füllfederhalter in den Händen hielt? In der fünften Ferienwoche besuchten wir sein Wohnhaus in der Nordstraße 28 in Dresden. Dort führte uns Rittmeister Ludwig durch die Räume. Er erzählte uns, dass sein Dienstherr pro Tag 40 bis 50 Seiten schrieb nicht mit dem Füller, sondern mit einer Gänsefeder. Das mussten wir ausprobieren! Rittmeister Ludwig erklärte uns zunächst, dass man meist Federkiele von Gänsen nimmt. Diese müssen schräg angeschnitten werden. Das Mark wird entfernt oder zurückgedrückt. Dann weicht man den Kiel im Wasser ein und härtet ihn anschließend in heißem Sand. Jetzt darf der jeweilige Schreiber seine Feder nach seinen eigenen Vorlieben zuschneiden. Rittmeister Ludwig erklärte uns, dass es da keine Vorschrift gibt, da jeder Mensch anders schreibt und die Feder anders hält. Das ist aber noch nicht alles. Habt ihr schon mal Blätter von Steinobst oder Eichen mit so großen Kullern unten dran gesehen? Das sind Galläpfel. Die Gallwespe legt Eier in den Blattadern ab. Die Pflanze wehrt sich und bildet eine Wucherung um diese Stelle. Sie sieht wie eine Kugel aus. Das ist dann der Gallapfel. Keine Angst, das ist meist nicht besonders schädlich für die Pflanzen (Ausnahme ist die Kastaniengallwespe, die auch einheimische Esskastanien befällt und zu Ernteausfällen führen kann). Galläpfel kann man nutzen. Daraus wird tatsächlich Tinte! Aber es fehlen noch ein paar Zutaten 1) Wasser 2) Eisen(II)-Sulfat gewinnt man im Bergwerk. Die Gerbstoffe der Galläpfel reagieren mit dem Eisen und führen zu der schwarzen bis blauschwarzen Farbe der Tinte. Und 3) Gummi arabicum entsteht aus dem Saft von Akazienbäumen. Das Gummiwasser bindet die Farbpigmente. Diese Eisengallustinte soll besonders dokumentenecht sein und wird deshalb noch heute bei der Unterzeichnung von Staatsverträgen benutzt. Und jetzt muss man nur noch die richtige Menge Tinte an die Feder und diese mit dem richtigen Schwung über das Papier gleiten lassen Vielen Dank an Rittmeister Ludwig und das Kraszewski-Museum für das interessante Schreibexperiment.Die Schriftkünstler aus Langenwolmsdorf