Eine Persönlichkeit der Weltgeschichte bezog am 25.08.1813 im Amtshaus der Stadt Stolpen. Wisst ihr, wer es war? Napoleon, Napoleon Bonaparte (1769 – 1821), der Kaiser der Franzosen. Im Vorfeld hatte man die Festung Stolpen zu einem französischen Fort (Befestigungsanlage) ausgebaut und in nur 25 Tagen die 18km lange Militärstraße bis zum Lilienstein angelegt. Diese Straße ist (bis auf wenige Veränderungen) noch heute befahrbar. Ihr wisst nicht, wo sie ist? Sie „beginnt“ am Dresdner Tor / Niedertor in Stolpen und führt am Bahnhof vorbei nach Heeselicht (hier heißt sie auch Napoleonstraße) und Hohnstein, dann über den Ziegenrücken zum Lilienstein und somit nach Königstein/Halbestadt. Über diese Straße wollte Napoleon seine Truppen aus der Umgebung Stolpens rasch in den Rücken seiner Feinde, die vor Dresden standen, verlegen. Die meisten Stolpener waren von dem Geschehen wenig begeistert. Stellt euch mal vor: in einem Städtchen mit nur 900 Einwohnern hausten zwischen 1813 und 1815 ca. 80.000 Soldaten und Angehörige der Militärtrosse, z.B. Marketender (Händler, die die Soldaten mit Waren und Dienstleistungen des täglichen und privaten Bedarfs versorgten). Zwischen Juni und September 1813 allein waren es 45.000 Franzosen. Manch ein Soldat soll sein Pferd mit in die Stube seiner Wirtsleute genommen haben. Aufgrund der Situation auf den Kampffeldern waren die Grande Armee (das Heer Frankreichs) gezwungen, Stolpen kampflos zu verlassen. Kampflos? Ja, aber nicht geräuschlos. Vor ihrem Abzug im September 1813 zerstörten sie große Teile der Burg. Die nachrückenden Truppen Österreichs und Preußens (Napoleons Gegner) taten ihr Übriges.
Was wäre gewesen, wenn Napoleon bereits über eine weltveränderte technische Errungenschaft des 19. Jahrhundert verfügt hätte? Gut 60 Jahre nach seiner Zeit schnauften Eisenrösser durch unsere Heimat. 1804 baute der Brite Richard Trevithick die erste Dampflokomotive der Welt. In Nordostengland wurde 1825 die erste öffentliche Bahnverbindung in Betrieb genommen. Damals galt übrigens „Made in Germany“ als ein Hinweis auf minderwertige Ware. Deutsche bauten in jener Zeit Erfindungen anderer Länder einfach nach. Erst allmählich erlangten deutsche Erfinder und Ingenieure einen guten Ruf. 1877 wurde die Eisenbahnlinie Neustadt – Dürrröhrsdorf eingeweiht. Damals fuhr man mit einer Geschwindigkeit von 50km/h. Das muss den Menschen unheimlich gewesen sein. Eine Pferdekutsche erreichte maximal 10km/h. Wenn ihr noch mehr über die Geschichte der Eisenbahn erfahren wollt, besucht doch mal das Verkehrsmuseum in Dresden. Wir hatten dort einen interessanten Vormittag. Vielen Dank für die sehr schöne Führung.
In den Oktoberferien reisen wir noch einmal ins 19. Jahrhundert. Nicht nur Napoleon und die Eisenbahn hinterließen ihre Spuren in Stolpen. Feuerwehren entstanden. Die Industrie hielt Einzug: einige Fabriken wurden gegründet. Dahin führen uns unsere nächsten Ausflüge.
Die Hortkinder aus Langenwolmsdorf